Counter-Drone Awareness für zivile Einsatzkräfte — HEAT-Modul der Streetwise Academy Berlin

Ein-Tages-Kurs · HEAT-Modul

Drohnengefahr im Frontbereich

Lagebewusstsein und Eigenschutz für Nicht-Kombattanten. Für Menschen, die frontnah arbeiten, ohne Teil der Auseinandersetzung zu sein: humanitäres Personal, Reporterinnen und Reporter, Sanitäter und Rettungskräfte.

Der Kurs macht aus Betroffenen keine Drohnenpiloten. Er macht sie zu Nicht-Kombattanten, die eine Drohnenbedrohung früh erkennen, richtig einschätzen und einen Vorfall überstehen.

Grundsatz

Erkennen · Einschätzen · Sich schützen — nicht einsetzen

Dieser Kurs ist rein defensiv. Er vermittelt Schutz- und Lagewissen. Nicht Gegenstand sind Bau, Bewaffnung, Zielauswahl, Angriffstaktik, offensives Jamming oder das Überwinden von Abwehrsystemen. Nicht-Kombattanten brauchen keine Angriffsfähigkeit — sie brauchen die Fähigkeit, geschützt zu bleiben.

Zielgruppe

Für wen dieser Kurs ist

Humanitär

Entwicklungshelfer

Humanitäres Personal, das in oder nahe an aktiven Gebieten arbeitet — mit Schutzstatus, aber ohne Schutzwirkung durch Ausrüstung.

Medien

Kriegs- und Krisenreporter

Wer aus dem Frontbereich berichtet, bewegt sich sichtbar, oft mit Kameraequipment, das aus der Luft missdeutet werden kann.

Rettung

First Responder & Sanitäter

Rettungskräfte im frontnahen Einsatz, für die Eigensicherung und Versorgung unter Drohnenbedrohung zusammengehören.

Allgemein

Frontnah ohne Kombattanten-Status

Alle, die beruflich in einem Umfeld unterwegs sind, in dem Drohnen zum Alltag gehören — Logistik, Technik, Koordination.

Lernziele — am Ende des Tages

  • Drohnentypen und ihr Verhalten sicher erkennen
  • Die eigene Gefährdung realistisch einschätzen
  • Die Reaktionssequenz unter Bedrohung beherrschen
  • Den rechtlichen Schutzstatus kennen und sichtbar machen
  • Nach einem Vorfall richtig handeln

Theorie · Modul 1 bis 3

Verstehen, einschätzen, rechtlich einordnen

Modul 1 · Drohnen verstehen

Typen und ihr Verhalten

Multicopter, FPV, Starrflügler und großes Fluggerät mit langer Stehzeit — was jede Bauart kann und woran man sie erkennt. Bewusst ohne Bauspezifikationen.

  • Multicopter: schwebt, kreist, beobachtet, niedrige Höhe, oft hörbar
  • FPV: sehr schnell, gerader Anflug, kurze Vorwarnzeit
  • Starrflügler: flugzeugähnlich, hoch, lange Kreisbahnen, kaum hörbar
  • Lange Stehzeit: verweilt über dem Gebiet, signalisiert aktives Gelände

Für den Eigenschutz zählt nicht das Modell, sondern das Verhalten: Beobachtet sie mich — oder kommt sie auf mich zu?

Modul 1 · Erkennen

Sicht und Akustik

Die ersten Sekunden entscheiden. Wer das Geräusch ignoriert, verliert die wertvollsten davon.

  • Kleiner dunkler Punkt am Himmel, der nicht zieht wie ein Vogel
  • Kreisen über einem Punkt heißt: es wird beobachtet
  • Gerader, schneller Anflug heißt: unmittelbare Gefahr
  • Hohes Summen, oft vor dem Sehen wahrnehmbar; lauter werdend heißt näher kommend
  • Motoren aus, kurz still sein, gezielt lauschen — Lärmkulisse verdeckt Drohnen

Faustregel: erst hören, dann sehen, dann handeln.

Modul 2 · Bedrohungslage

Warum auch Nicht-Kombattanten gefährdet sind

  • Verwechslung: Gruppen, Fahrzeuge oder Ausrüstung werden aus der Luft fälschlich als militärisch eingestuft
  • Nähe zu Zielen: Wer nah an Konvois oder Stellungen arbeitet, gerät in deren Wirkungsbereich
  • Beobachtung: Routine und feste Wege machen berechenbar — und angreifbar
  • Vorsätzliche Angriffe: Auch geschützte Personen werden völkerrechtswidrig angegriffen

Die Gefährdung ist real, aber zu großen Teilen beeinflussbar.

Modul 3 · Recht & Schutzstatus

Humanitäres Völkerrecht in der Praxis

Unterscheidung, geschützte Personen, Verlust des Schutzes bei unmittelbarer Teilnahme an Feindseligkeiten — und warum Verhältnismäßigkeit kein verlässlicher Schutz ist.

  • Eindeutig kennzeichnen, auch von oben sichtbar: PRESS, MED, Organisationslogo
  • Deconfliction: Standorte und Routen mit den Koordinierungsstellen abstimmen
  • Abstand zu militärischen Objekten halten — räumlich und zeitlich
  • Keine waffenähnlichen Gegenstände oder Gesten in Richtung Drohne
  • Status dokumentieren: Ausweise, Akkreditierung

Modul 4 · Das Herzstück

Die Reaktionssequenz

Fünf Schritte, die unter Stress automatisch ablaufen müssen. Sie werden im Trockenlauf eingeführt und im Praxisblock so lange wiederholt, bis sie sitzen — eingeübt, nicht improvisiert.

01

Stopp

Bewegung einfrieren. Bewegung zieht Blicke und Sensoren an.

02

Hören

Lärm aus, kurz still. Richtung und Nähe bestimmen.

03

Orten

Die Drohne und ihr Verhalten finden: beobachtet sie oder fliegt sie an?

04

Deckung

Harte Deckung suchen — nicht nur Sichtschutz.

05

Kennzeichnen

Als Nicht-Kombattant erkennbar bleiben, ruhig handeln.

Grundregel

Deckung schlägt Sichtschutz

Hart heißt Beton, Mauerwerk, Erdwall, Motorblock — das stoppt Splitter und Wirkung. Ein Busch verbirgt nur, er schützt nicht.

Grundregel

Gruppe und Fahrzeug

Nicht zusammendrängen, sondern verteilen. Ein Fahrzeug bietet Mobilität, ist aber ein auffälliges Ziel — aussteigen und Deckung kann sicherer sein.

Modul 5 und 6

Signaturmanagement, Zwischenfall und danach

Modul 5

Berechenbarkeit vermeiden

Routen, Zeiten und Sammelpunkte variieren. Muster sind aus der Luft leicht zu lesen.

Modul 5

Richtig sichtbar sein

Sichtbar als Nicht-Kombattant, unsichtbar als Muster. Nicht tarnen wie ein Kämpfer — das erhöht das Verwechslungsrisiko.

Modul 5

Umfeld: gestörte Funklage

In aktiven Gebieten können GPS und Funk gestört sein, auch die eigenen Geräte. Redundante Navigation und Kommunikation einplanen.

Modul 6 · 1

Eigensicherung

Zweitschlag einplanen: nicht sofort ins Freie. Kurz abwarten, Lage prüfen, dann handeln.

Modul 6 · 2

Versorgung

Lebensbedrohliche Blutungen zuerst, nach TECC und MARCH. Verletzte in Deckung versorgen, nicht im Offenen.

Modul 6 · 3 und 4

Melden und danach

Vorfall an die Koordinierungsstelle melden, Standort und Lage durchgeben. Danach Verlegung, Dokumentation, Nachsorge — psychische Belastung ernst nehmen.

Wo die Grenze verläuft

Counter-UAS und Jamming sind Sache der Streitkräfte. Für uns zählt nur, dass es das eigene Umfeld stört — wir umgehen es nicht, wir planen dafür.

Praxisblock · mit echter Drohne

Erkennen und reagieren im Gelände

Der Nachmittag gehört den Übungen. Eine handelsübliche Kameradrohne fliegt in verschiedenen Höhen und Distanzen, die Teilnehmenden benennen, was sie sehen und hören — und laufen die Reaktionssequenz so oft durch, bis sie ohne Nachdenken abläuft.

Die Praxisblöcke sind der Kern des Tages und werden nicht gekürzt. Bei schlechtem Wetter verlegen wir das Erkennungslabor in eine Halle.

Übung im Gelände bei der Streetwise Academy
Übung 1

Erkennungslabor

Die Drohne fliegt in wechselnden Höhen und Distanzen. Ihr benennt Höhe, Distanz und Verhalten: kreist sie oder ist sie im Transit?

Übung 2

Akustik-Drill

Augen geschlossen oder abgewandt, Hand heben, sobald die Drohne hörbar ist. Schult das Gehör als Frühwarnsystem.

Übung 3

Reaktions-Drill

Auf akustisches Signal die vollständige Sequenz im Gelände — Stopp, Hören, Orten, Deckung, Kennzeichnen — mit Zeitnahme.

Übung 4

Kennzeichnungs-Check

Aus Drohnensicht gefilmt: Wie gut sind PRESS, MED und die Gruppe als Nicht-Kombattanten erkennbar? Auswertung gemeinsam.

Sicherheit im Praxisblock

  • Die Drohne fliegt ein geschulter Pilot, niemals über Köpfen
  • Klar abgegrenzte Übungsfläche, Genehmigungen und Flugrecht vorab geklärt
  • Ausschließlich Kamera- und Beobachtungsdrohne, keinerlei Nutzlast
  • Kein realer Abwurf — alles simuliert

Tagesplan

Ein pragmatischer Trainingstag

Richtwerte. Beginn und Pausen passen wir an Eure Anreise an, die Praxisblöcke bleiben in voller Länge.

ZeitInhaltFormat
08:30Begrüßung, Sicherheitsbrief, LernzieleTheorie
09:00Modul 1 · Drohnen verstehen und erkennenTheorie
10:15Pause
10:30Modul 2 · Bedrohung für Nicht-KombattantenTheorie
11:15Modul 3 · Recht und SchutzstatusTheorie
12:00Mittagspause
13:00Modul 4 · Verhalten unter Bedrohung, mit TrockenübungTheorie + Praxis
14:15Praxis 1 · Erkennungslabor mit echter DrohnePraxis
15:15Pause
15:30Praxis 2 · Reaktionsdrills im GeländePraxis
16:30Modul 5 und 6 · Signaturmanagement, Zwischenfall und danachTheorie
17:15Debrief, Merkzettel, Abschluss

Rahmen

Organisatorisches

1 Tagca. 8 Stunden
max. 16Teilnehmende
6 Moduleplus 2 Praxisblöcke
DE · ENKurssprache
Ort

Bei Euch vor Ort oder in Berlin. Nötig sind ein Schulungsraum und eine Freifläche, auf der eine Drohne rechtssicher fliegen darf.

Voraussetzungen

Keine Vorkenntnisse. Der Kurs richtet sich an Nicht-Kombattanten; körperliche Anforderungen gibt es über die Geländeübungen hinaus keine.

Mitzunehmen

Jede Teilnehmerin und jeder Teilnehmer bekommt den laminierten Merkzettel mit Erkennungsmerkmalen, Reaktionssequenz und Verhalten nach einem Vorfall.

Honorar

Auf Anfrage, abhängig von Gruppengröße, Anfahrt und Einsatzort. Für gemeinnützige Träger und Redaktionen gelten andere Sätze als für Unternehmen.

Buchung

Als geschlossene Gruppe über Organisation, Redaktion oder Träger. Auf Wunsch als Modul innerhalb eines mehrtägigen HEAT-Trainings.

Anschluss

Sinnvoll kombinierbar mit Trauma Response für die medizinische Versorgung und IED Awareness.

Anfrage

Termin anfragen

Schreibt uns Organisation, Wunschzeitraum, Gruppengröße und Einsatzland. Ihr bekommt einen Terminvorschlag mit Ablauf und Honorar zurück — in der Regel innerhalb von zwei Werktagen.