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Wie ist Krav Maga entstanden ?

Die Entstehung von Krav Maga ist eng mit der Geschichte der Person verbunden, der wir die Existenz von Krav Maga verdanken: Imrich (Imi) Lichtenfeld. Seinen Lebensweg zu kennen versetzt uns in die Lage, einige wichtige Aspekte von Krav Maga zu verstehen, die man nicht einfach den Techniken entnehmen kann.

Allen voran ist da die Tatsache, dass Krav Maga als ein Werkzeug entwickelt wurde. Krav Maga ist kein Selbstzweck. Dieses Werkzeug kann, wie jegliche Form von Waffen auch, für gute oder schlechte Zwecke verwendet werden. Es liegt an uns dafür zu sorgen, dass Krav Maga auch heute noch ganz im Sinne von Imi eingesetzt wird:

 

“… THAT ONE MAY WALK IN PEACE.”  (Imi Lichtenfeld)

 

Dazu gehört, dass wir anders als andere Organisationen nicht jeden in Krav Maga unterrichten der dafür Geld bezahlt.

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Krav Maga ist kein jahrhunderte- oder jahrtausendealtes traditionelles Nahkampfsystem wie Karate, Judo oder Kung Fu. Sein Begründer erblickte vielmehr erst im 20. Jahrhundert das Licht der Welt. Imi Lichtenfeld wurde 1910 in Budapest geboren, formal entwickelte er Krav Maga dann auch erst nach seiner Immigration nach Israel ab 1944.

Imi wuchs in Bratislava, der Hauptstadt der Slowakei, auf. Humanistische Bildung, Sport, sowie Recht und Ordnung spielten eine große Rolle in seiner Erziehung. Sein Vater Samuel war Polizist im Rang eines Hauptkommissars, der seine Leute bereits in Methoden der Selbstverteidigung und Bewältigung gewalttätiger Auseinandersetzungen inklusive Festnahmetechniken unterwies. Bemerkenswert ist dabei, dass er besonderen Wert auf ein moralisch einwandfreies Verhalten selbst Kriminellen und aufrührerischen Bürgern gegenüber legte. Seine Techniken entsprachen den gesetzlichen Richtlinien der Polizeiarbeit, auch wenn sie noch nicht so wirksam und leicht zu erlernen waren wie Imi‘s späteres Krav Maga.

Imi Lichtenfeld Streetwise Academy Krav Maga Berlin Training History

Imi nahm schon in jungen Jahren am Training der Polizisten teil. Er erlernte mit der Unterstützung seines Vaters viele Sportarten, u.a. Gymnastik, Schwimmen, Ringen und Boxen. Er gewann zahlreiche nationale und internationale Auszeichnungen, vor allem im Ringen und Boxen, aber auch in Gymnastik. Er galt eine Zeit lang als bester Ringer Europas.

Die Entstehung von Krav Maga fand ihre Wurzeln aber woanders. In den späteren dreißiger Jahren zeigten sich mehr und mehr faschistische und antisemitische Strömungen in Bratislava wie auch im Rest Europas. Imi wurde zum Anführer einer kleinen Gruppe junger Juden, die sich den antisemitischen Banden entgegenstellten, wenn diese im jüdischen Viertel einfielen, um dieses zu verwüsten, oft zu Hunderten oder mehr.

 

Zwischen 1936 und 1940 nahm Imi an zahlreichen harten Straßenkämpfen mit antisemitischen Schlägern teil. Dies veränderte Imi grundlegend. Er war nun kein Sportler mehr, sondern ein fähiger und determinierter Nahkampfspezialist.

1940 geriet er wegen seiner Aktivitäten in das Fadenkreuz der lokalen Behörden und Nazis, so dass er sich entschied Bratislava mit dem letzten Schiff zu verlassen, dass den Nazis noch entkam. Es sollte ganze zwei Jahre dauern bis er sein Ziel erreichte, nicht ohne fast unterwegs daran gestorben zu sein, seinen Mitmenschen zu helfen.

1942 beendete er seinen Dienst in der britischen Armee und erhielt die Genehmigung, nach Palästina einzureisen. Dort trat er der Hagana bei, in der bereits einige seiner früheren Freunde und Schüler dienten.

 

Natürlich war es nicht so, dass die Hagana (und die zugehörige Palmach) vorher nur Backgammon spielte. Es gab selbstverständlich auch schon vor Imis Auftreten Nahkampfsysteme und systematische Ausbildungen, die im Wesentlichen unter dem Namen KAPAP(hebräisch קפא״פ, Abkürzung für KRAV PANIM EL PANIM-Kampf von Angesicht zu Angesicht, geführt wurden. Diese beinhalteten auch schon mehr als den reinen Nahkampf von Hand zu Hand, nämlich u.a. Erste-Hilfe, Überlebenstraining, Sprengstoffausbildung, Schießausbildung, sowie Nahkampf mit dem Messer. An der Entwicklung dieser Ausbildung waren u.a. zwei Briten (W. E. Fairbairn und E. A. Sykes) maßgeblich beteiligt.

1944 begann Imi dann in diesem Umfeld Kämpfer körperlich auszubilden, u.a. in Messerkampf und Verteidigung gegen Messerangriffe. Zu den Einheiten die er ausbildete gehörten auch die Vorläufer der Spezialeinheiten der IDF, der Marinekommandoeinheit, sowie der Polizei. Nach der Gründung des Staates Israel wurde Imi Chefausbilder Militärischen Kampfschule. In dieser Eigenschaft entwickelte Imi noch ca. weitere 14 Jahre lang Krav Maga beim israelischen Militär weiter.

 

Imi sorgte in dieser Zeit dafür, dass Krav Maga leicht erlern- und anwendbar wurde. Auch stellte er sicher, dass nur minimaler Aufwand dafür erforderlich war, erreichte Leistungsstände zu erhalten. Auch die wirksame Anwendung unter stressigsten Bedingungen wurde kultiviert. In der Öffentlichkeit wird Krav Maga oft als Errungenschaft und gut gepflegtes Geheimnis des israelischen Auslandsgeheimdienstes Mossad gehandelt. Dies entspricht nicht der Wahrheit, auch wenn damals wie heute Krav Maga Teil der Grundausbildung der Agenten ist. Richtig ist vielmehr, dass es in der breiten Masse eingesetzt wird, so zum Beispiel für die Ausbildung der Militärdienstleistenden oder Polizisten.

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Nach seinem Austritt aus dem Militär 1963 begann Imi damit, Krav Maga für zivile Zwecke weiter zu entwickeln. Krav Maga sollte jede(n) in die Lage versetzen, sein oder ihr Leben zu retten und Angriffe zu überleben, und dabei möglichst wenig Schaden zu nehmen.

 

Um sein Werk einer möglichst breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen gründete Imi in der Zeit danach zwei Trainingscenter in Tel Aviv und Netanya (Israel). Er blieb bis zuletzt Berater für das Militär und andere israelische Sicherheitskräfte. Nicht-militärische Instruktoren gibt es seit 1972 Krav Maga Instruktoren am israelischen Wingate Institut ausgebildet werden.Dieser Schritt führte dazu, dass sich Krav Maga seither in vielen zivilen Bereichen in Israel und international verbreitet hat.

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1978 gründete Imi die ISRAELI KRAV MAGA ASSOCIATION, deren Präsident er bis zu seinem Tod mit 87 Jahren im Jahr 1998 blieb. Sie sollte als Vehikel dienen, Krav Maga in Israel und anderen Teilen der Welt bekannt zu machen. Die internationalen Aktivitäten begannen 1981 hauptsächlich in den USA und unter Federführung von Darren Levine.

 

Heute wird der israelische Export-Schlager Krav Maga in der gesamten vor allem westlichen Welt bei allen namhaften Spezialeinheiten und Law-Enforcement-Behörden gelehrt und hat die traditionellen Kampfsportarten wie BJJ, Boxen oder Karate, aber auch modernere Systeme wie Wing Tsun verdrängt.

Mit der Verbreitung von Krav Maga vor allem ab Mitte der 70er Jahre des letzten Jahrhunderts setzte auch eine gewisse Diversifizierung ein. Krav Maga basiert eher auf Prinzipien als auf bestimmten Techniken. Diese Prinzipien funktionieren universal und können zusammen mit verschiedenen Techniken zu verschiedenen Zwecken eingesetzt werden, z.B. im Law Enforcement Bereich um Festnahmen oder Personenkontrollen durchzuführen oder als Version für Frauen in der Selbstverteidigung. Die unterschiedlichen Bedürfnisse der Trainierenden zusammen mit der oft kampfsportlich geprägten Geschichte der Instruktoren beeinflusste die Entwicklung in verschiedene Richtungen. Vor allem im zivilen Bereich sind Verbände mit Programmen entstanden, die Krav Maga mehr als Fitness-Programm behandeln denn als Nahkampfsystem. Auf der anderen Seite haben israelische Spezialeinheiten Ausprägungen geschaffen, die extrem effizient und an speziellen taktischen Bedürfnissen orientiert sind.